Nasir Hajimansur über den Tod des Australischen YPG-Kämpfers Ashley Johnston

Nasir Hajimansur, Vorsitzender des Verteidigungsausschusses vom Kanton Cizire, über die Ausweitung der Luftschläge und den Tod des australischen YPG-Kämpfers Johnston Ashley
 
Die Kämpfe bei Tel Hamis und an anderen Orten dauern an. Seit einigen Tagen erfolgen auch zahlreiche Luftschläge. Im Kanton Kobane stellten vor allem die YPG und YPJ die Bodentruppen, während die Internationale Allianz den Kampf durch Luftschläge unterstützte. Kann eine solche Zusammenarbeit auch im Kanton Cezîre beobachtet werden?
 
Nasir Hajimansur: An den neuesten Gefechten im Kanton Cezîre sind neben der YPG und YPJ auch die Asayish sowie assyrische und arabische Einheiten beteiligt. Die Internationale Allianz unterstützt mit Luftschlägen. Die Zusammenarbeit zwischen den Bodentruppen und der Internationalen Allianz ist vergleichbar mit der Zusammenarbeit während der Kämpfe im Kanton Kobane, die Koordination verläuft sehr gut. Die Luftschläge haben die Kämpfe entscheidend beeinflusst, das ist der Koalition bewusst, wenngleich die Hilfe intensiver ausfallen könnte. Die Bodentruppen haben diese Angaben jüngst bestätigt. Der IS ist deutlich geschwächt, es gibt auf unserer Seite nicht viele Gefallene zu beklagen. Dennoch sind bisher bei den Kämpfen um Tel Hamis zehn Kämpfer gefallen, einer der Gefallenen ist Johnston Ashley, der Mitglied der YPG war und sich den Kampfnamen “Bagok Serhad” zugelegt hatte. Wir verneigen uns vor ihm, der unserer Meinung nach alle freiheitsliebenden Menschen symbolisiert.
 
Sind Sie diesem australischen Kämpfer persönlich begegnet?
 
Nasir Hajimansur: Ja, ich habe ihn mehr als einmal getroffen. Ich fragte ihn einmal nach dem Grund seines Engagements (in Rojava). Er antwortete, dass die Welt zu einem Dorf geworden sei und alle Menschen wüssten, was in der Welt geschehen würde. Er nannte zwei Gründe für sein Kommen: Er kam zu einer Zeit, da in Kobane Widerstand geleistet wurde. Diesen wollte er unterstützen. Er sagte, dass er die Freiheit sehr schätzte und dem Widerstand leistenden Volk helfen wollte. Zum anderen betonte er, dass es für ihn keinen Unterschied machen würde, ob er hier (in Rojava) oder in seiner Heimat Australien den IS bekämpfte.
Über seinen Tod berichtet auch die internationale Öffentlichkeit. Menschen, die ihn kannten, beschreiben ihn als einen stets gut gelaunten und sehr aufgeschlossenen Menschen. Wie haben Sie ihn wahrgenommen?
 
Nasir Hajimansur: Alle fanden es beeindruckend, wie er binnen kurzer Zeit die Herzen aller Kämpferinnen und Kämpfer für sich gewinnen konnte. Er unterschied sich nicht von den kurdischen Kämpferinnen und Kämpfern, er hätte einer von ihnen sein können. Er hatte auch schon ein wenig Kurdisch gelernt. Sein Tod hat uns alle sehr getroffen. Er hielt sich nie zurück und wollte an vorderster Front mitkämpfen. Vor allem weil er einen sehr langen Weg auf sich genommen hatte, wollten wir auf keinen Fall ein solches Ende für ihn. Er war an vielen unserer Kämpfe beteiligt und sagte, dass er auch nach dem Sieg die YPG und YPJ überall unterstützen würde.
Ich weiß, dass die Kämpfe noch andauern, aber ist für ihn eine Trauerfeier geplant?
 
Nasir Hajimansur: Die Kämpfe dauern noch an. Wir sind ein Volk, das gewohnt ist zu kämpfen, uns von unseren Gefallenen zu verabschieden und gleichzeitig (Siege) zu feiern, das Leben weiterzuleben. Jeder der hier war, kann bestätigen, dass Kampf und Feier hier nebeneinander realisiert werden. Wir werden uns mit seiner Familie absprechen, aber natürlich möchten wir ihn hier behalten. Eine Trauerfeier wird ohnehin in den nächsten Tagen hier abgehalten. Wir glauben, dass unser Volk ihn gebührend verabschieden wird.
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Mutlu Civiroglu ist Analyst der Kurdischen Frage mit Schwerpunkt Syrien und Türkei. Er verfolgt insbesondere den Kampf der YPG gegen den IS und andere dschihadistische Gruppen.
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