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Oberbefehlshaber der YPG von Kobane Berxwedan: Wo auch immer der IS ist, da werden auch wir sein

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Mutlu Civiroglu       https://twitter.com/mutludc

Herr Mahmud Berxwedan, seit einigen Wochen wird der Kampf gegen den in den Dörfern ausgetragen, nachdem der IS aus der Stadt Kobane vertrieben wurde. Wie sieht die aktuelle Situation an den drei Fronten aus?

Mahmud Berxwedan: Nach der Befreiung von Kobane am 26. Januar haben wir mit der zweiten Phase begonnen, welche die Befreiung aller Kobane zugehörigen Dörfer beinhaltet. Seitdem sind 21 Tage vergangen, diese Phase ist bisher sehr erfolgreich verlaufen, täglich werden an allen Fronten neue Gebiete befreit. Die Westfront befindet sich jetzt dort, wo dder IS den Krieg am 15. September begonnen hatte: Wir befinden uns in der Nähe von Şêxler und sind nur 3 bis 4 km vom Euphrat entfernt. An dieser Front gibt es nur noch wenige Dörfer, die zu befreien sind, gerade eben wurde das Dorf Keçelo befreit, in weiteren Dörfer wie Cibilferac, Sêvalo und Derbazin wird zum jetzigen Zeitpunkt  gekämpft.

Mahmud Berxwedan
Mahmud Berxwedan

Wird der Kampf gegen den IS auf der anderen Seite des Euphrats, in Dscharabulus, fortgesetzt?

Mahmud Berxwedan: Unser primäres Ziel ist es, alle Ortschaften des Kantons Kobane zu befreien. Danach fängt unser eigentliche Kampf gegen den IS an, bisher hatte der IS unser Land besetzt. Nach der Befreiung des Kantons werden wir die Gebiete des IS angreifen. Am 15. September hatten der IS damit begonnen, uns anzugreifen, dieses Mal werden wir den IS angreifen und ihn aus allen Gebieten verdrängen. Wo auch immer der IS ist, da werden auch wir sein.  Für uns gibt es keine Grenzen, unser Angriffsziel ist der IS, wir werden sowohl das arabische als auch das kurdische Volk, aber auch alle anderen Völker, die von der IS unterdrückt werden, befreien.

Herr Berxwedan, Sie sind Oberbefehlshaber der YPG und klingen sehr überzeugt und hoch motiviert. Worauf basiert Ihr Vertrauen? 

Mahmud Berxwedan: Wir glauben an uns und unsere Kraft. Wir glauben an unsere Kämpferinnen der YPJ und an unsere Kämpfer der YPG. Wir glauben an unsere Kalaschnikows und Bomben. Alles andere ist für uns eine zusätzliche Unterstützung. Wir glauben daran, dass wir es schaffen werden, in Syrien die Niederlage des IS einzuleiten. Angefangen bei den Ortschaften von Kobane, werden wir den IS in allen Gebieten, die er besetzt, bekämpfen.

Wenn ich Ihre Antwort richtig deute, dann werden auch Dscharabulus (Westen), Manbij (Südwesten), Sarrin (Süden) und  Girê Sipî (arabisch: Tall Abyad, Osten) Angriffsziele [der Kurden]?

Mahmud Berxwedan: Alle Orte, an denen sich der IS aufhält, sind unser Ziel. Das darf nicht missverstanden werden: Wir wollen den IS bekämpfen, nicht das arabische Volk. Wir möchten nichts, was den Arabern oder anderen Völkern gehört, besitzen oder beschlagnahmen. Unser Ziel ist die Zerschlagung der IS. Wo auch immer der IS ist, werden wir uns für dessen gegenwärtige und vergangene Taten rächen.

Uns erreichen Meldungen, dass sich arabische Menschen, die sich in den von der IS besetzten Gebieten aufhalten, an Sie gewendet und um Unterstützung bei der Befreiung dieser Orte gebeten haben. Können Sie diese Meldungen bestätigen?

Mahmud Berxwedan: Ja, sie stimmen. Viele Kämpfer aus Manbij und Dscharabulus sind zu uns gekommen und haben unsere Verteidigungseinheiten (YPG, YPJ) um Hilfe bei der Zurückeroberung ihrer Städte gebeten. Wir haben diesen Kämpfern unsere Unterstützung im Kampf gegen den IS versprochen. Wir sind bereit, allen Menschen, die von der IS bedroht werden, unsere Hand zu reichen und sie im Kampf zu unterstützen.

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Können Sie uns noch kurz über die Lage an der Ost- und Südfront ins Bild setzen?

Mahmud Berxwedan: Im Süden haben wir die strategisch bedeutsamen Hügel Şehit Xabor und Sêvê zurückerobert, von dort aus haben wir die Brücke Qereqozak, die Stadt Sarrin und vielen weitere Orte im Blick. Seit über einem Jahr war der Hügel Sêvê umkämpft, dieser war mal unter der Kontrolle der IS und mal unter unserer Kontrolle. Nach einem sehr intensiven Kampf konnte der Hügel  zurückerobert werden und heute weht auf diesem Hügel die Fahne der YPG.

Ist es wahr, dass ein Teil der Straße, die von Heleb (arabisch: Aleppo ) nach Hesiçe (arabisch: Al-Hasaka) führt, unter kurdischer Kontrolle ist?

Mahmud Berxwedan: Südöstlich von Kobane sind 25 km dieser Straße unter unserer Kontrolle: Die Straße nach Rotko steht unter der Kontrolle der YPG, einige Dörfer wie Qilheydê und Girêk, die sich an dieser Straße befinden, wurden befreit. Im Osten haben wir die Dörfer Bexdik, Idani und viele weitere Dörfer um Idani zurückerobert.

Sie sagten, dass [die Kurden] dem arabischen Volk, das sich in den von der IS besetzten Städten befindet, zu Hilfe eilen würden. Erhalten [die Kurden] denn Unterstützung von anderen Nationen? Immerhin hatte letzte Woche eine Kommandantin der YPJ den französischen Staatspräsidenten Hollande besucht. Erhalten oder erwarten Sie internationale Unterstützung, da Sie sagen, sie würden den IS auch in anderen Städten bekämpfen?

Mahmud Berxwedan: Alle wissen, dass der IS eine Plage für die ganze Welt ist. Wir möchten, dass alle, die den IS bekämpfen möchten, uns unterstützen, damit wir den IS schneller besiegen können. Jeder, der den IS wirklich als Feind betrachtet, muss uns unterstützen und die bisherige Unterstützung fortsetzen und intensivieren. Bis heute kämpfen wir mit den wenigen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen. In einem früheren Interview mit Ihnen hatte ich gesagt, dass wir nur mit leichten Waffen Widerstand leisten. Glauben Sie mir, bis heute kämpfen wir mit ebendiesen Waffen. Es stimmt, wir werden durch Luftschläge unterstützt, aber wirklich wirkungsvolle Waffen für unsere Einheiten auf dem Boden, wie Panzer und schweres Geschütz, haben wir bisher von niemandem erhalten. Die Welt muss sich als eine Einheit gegen den IS stellen. Der IS ist eine Bedrohung für alle, in der Zerschlagung des IS sehen wir eine menschliche Aufgabe, es geht uns nicht nur um Kobane. Das haben wir auch zu anderen Zeitpunkten gesagt, wir führen den Kampf für die Menschheit. Deswegen muss die Weltgemeinschaft uns in diesem Kampf unterstützen. Kobane braucht aber auch eine andere Art von Unterstützung, Kobane braucht einen Hilfskorridor, Hilfe beim Wiederaufbau. Der gesamte Besitz der Menschen ist geplündert worden, in den Dörfern gibt es nichts mehr. Der IS hat alles gestohlen und in vielen Häusern Minen verlegt. Wir  brauchen internationale Untersützung bei der Entschärfung  der Minen. Es sind so viele Menschen nach Kobane zurückgekehrt, dabei gibt es in der Stadt keinen einzigen Laden, in dem sie sich etwas kaufen könnten. Die Bevölkerung von Kobane braucht viel humanitäre Unterstützung.

Herr Berxwedan, lassen Sie uns ein wenig über die Rolle der Freien Syrischen Armee und der Peschmerga sprechen, ein paar Gruppen stehen seit Beginn des Kampfes auf der Seite der Kurden. Einige Quellen melden, dass in den überwiegend arabisch besiedelten Gebieten die FSA den Kampf anführen würde. Welche Rolle spielt die Peshmerga?

Mahmud Berxwedan: Es gibt in den Reihen der FSA einige Gruppen, die uns seit Beginn der Kämpfe unterstützen, wie zum Beispiel die Siwar Rakka, Şemsi Şimal und Cephetul Ekrad. Auch jetzt kämpfen sie mit uns an der vordersten Front. In den arabischen Regionen führen sie den Kampf an und wir unterstützen sie. Auch diese Gruppen brauchen militärische Unterstützung, auch sie haben bisher keine Unterstützung bekommen. Mit den wenigen Mitteln, die uns zur Verfügung stehen, helfen wir diesen Gruppen. Auch die Peschmerga unterstützt uns sehr tatkräftig, diese sind im Besitz von Artillerie und unterstützen uns auf diese Weise.

Abschließend möchte ich Sie fragen, wieviel Prozent der Dörfer des Kantons Kobane zurückerobert wurden. Zudem hat die Aussicht auf die Befreiung von Girê Sipî (arabisch: Tall Abyad) große Wellen in den kurdischen und internationalen Medien geschlagen. Was möchten Sie dazu sagen?

Mahmud Berxwedan: 80 Prozent der Dörfer des Kantons Kobane wurden befreit. Um die die restlichen 20 Prozent wird noch gekämpft, wir möchten  diese Dörfer so schnell wie möglich befreien. Wir möchten auch das Umland von Girê Sipî und Girê Sipî selbst von der IS säubern, so wie wir den IS auch an allen anderen Orten bekämpfen werden.

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Mutlu Civiroglu ist Analyst der Kurdischen Frage mit Schwerpunkt Syrien und Türkei. Er verfolgt insbesondere den Kampf der YPG gegen den IS und andere dschihadistische Gruppen.

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Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von N. Ozdemir

Premierminister des Kantons Kobane: “Für die Entschärfung der Minen werden dringend Spezialisten gebraucht”

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Mutlu Civiroglu: Nach der Befreiung der Stadt gaben Sie in einer Erklärung bekannt, dass

Hilfe für den Wiederaufbau gebraucht werden würde. Journalisten, die Kobane besuchen, kommen zum selben Schluss. Welche Art von Unterstützung braucht Kobane?

Anwar Moslem: Seit viereinhalb Monaten wird gekämpft, um die 40 Fahrzeuge wurden in Kobane in die Luft gesprengt, tausende Mörsergranaten schlugen ein. Die Fundamente der Stadt, kommunale Dienstleistungsstellen, Wasserleitungen und das Stromnetz wurden zerstört. Auf den Straßen liegen viele Leichen der ISIS-Kämpfer. Es ist notwendig, dass medizinische Organisationen uns vor Ort unterstützen, damit sich keine Krankheiten ausbreiten. Zudem wurden in der Stadt, in vielen Dörfern und Häusern Minen verlegt. Auch das ist eine große Gefahr für die zurückkehrende Bevölkerung. In den vergangen Tagen sind in den Dörfern Çuqur, Rovî und Yêdûq Minen explodiert, Zivilisten kamen ums Leben. Für die Entschärfung der Minen werden dringend Spezialisten gebraucht. Die Situation ist sehr schwierig, es mangelt an Trinkwasser, Nahrungsmitteln, denn schon vor diesen Übergriffen war Kobane von allen vier Seiten umzingelt, mit Beginn des Kampfes wurde diese Situation noch schwieriger. Weil wir schnellstmöglich eine Camp-Stadt errichten wollen, müssen wir eine medizinische Grundversorgung gewährleisten, damit die Bevölkerung wieder allmählich zurückkehren kann.

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Mutlu Civiroglu: Wieviele zivile Opfer kamen durch Minenexplosionen ums Leben?

Anwar Moslem: Bisher gab es sechs Tote und dutzende teils Schwerverletzte. Nicht nur die Dörfer, sondern auch einige Teile der Stadt sind vermint. In den Dörfern wird noch gekämpft, aber in der Stadt wurde dem Terror ein Ende gesetzt. Deswegen bemühen wir uns, mit allen Nationen und Organisationen Kontakt aufzunehmen und sie nach Kobane einzuladen, damit sie uns behilflich sein können.

Mutlu Civiroglu: Die Nachrichtenagentur ANHA teilte gestern mit, 400 Zivilisten seien zurückgekehrt. Sie teilen uns mit, dass Blindgänger und Minen eine große Gefahr darstellen. Wie bewerten Sie die Rückkehr der Zivilisten trotz der Gefahr?

Anwar Moslem: Wir teilen den Menschen immer wieder mit, dass die Situation sehr gefährlich ist. Zum einen gibt es keine medizinische Versorgung, zum anderen sind überall Minen verlegt. Unser Aufruf nach Kobane zurückzukehren, richtet sich an junge Menschen, die in der Verwaltung oder im medzinischen Bereich arbeiten wollen, oder sich unseren Verteidungseinheiten anschließen möchten. Es kommen aber auch einige Zivilisten zurück. Manchmal betreten sie unbefugt gefährliche Gebiete, sodass es ständig Explosionen gibt. Auch wir leiden darunter, aber wir geben dutzende Erklärungen und erstellen Flugblätter, um die Menschen zu warnen, damit sie Orte nicht unbefugt betreten und sich bei der Asayish oder der YPG melden, wenn ihnen Blindgänger und Minen auffallen.

Mutlu Civiroglu: Sie sagten, dass es Bemühungen gibt, ein Camp zu errichten. Die Organisation “Ärzte ohne Grenzen” wollte ebenfalls ein Camp in Kobane errichten.

Anwar Moslem: Wir haben Kontakt zu dieser Organisation, diese möchte ein Krankenhaus und einiges mehr errichten. Wir sagten, dass unseren Türen allen Organisationen, die Kobane unterstützen möchten, offen stehen. Wir von der Stadtverwaltung versuchen, ein Camp zu errichten, damit die Bevölkerung zurückkehren kann, obwohl tausende Häuser zerstört sind. Um sie unterzubringen, brauchen wir dieses Camp. Wenn “Ärzte ohne Grenzen” oder andere Organisationen uns bei diesem Vorhaben unterstützen möchten, können sie dies tun. Wir haben ein Komitee gegründet, die noch Untersuchungen anstellt und die Ergebnisse bald publik machen wird.

Mutlu Civiroglu: Vor zwei Tagen hat der französische Präsident Hollande die Kommandantin der YPJ Nesrin Abdullah und die Präsidentin der PYD Asye Abdullah im Élysée-Palast empfangen. Viele bringen diesen Besuch mit dem Sieg der Kurden in Kobane in Verbindung. Was sagen Sie dazu?

Anwar Moslem: Unser Kampf war ein Krieg gegen einen Terror, der auch die USA, Frankreich, Kanada und Australien bedrohte. Zur gleichen Zeit, vor vier Monaten, fiel auch Kobane diesem Terror zum Opfer. Wenn unseren jungen Männer und Frauen diesen Terror bekämpfen, dann tun sie dies nicht nur für Kobane, sondern für die ganze Welt. Alle demokratischen und friedliebenden Menschen, die sich für Kobane einsetzten, haben ebenfalls Anteil am Sieg. Die Einladung von Herrn Hollande hat uns mit Stolz erfüllt. Wir hoffen, dass weitere Politiker Kobane unterstützen, indem sie Kobane besuchen, Delegationen schicken. Wir hoffen auch, dass uns unsere Freunde und Verbündeten aus den USA beim Wiederaufbau unterstützen, so wie sie auch zu Beginn des Kampfes an unserer Seite standen.

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Mutlu Civiroglu ist Analyst der Kurdischen Frage mit Schwerpunkt Syrien und Türkei” Er verfolgt insbesondere den Kampf der YPG gegen die ISIS und andere dschihadistische Gruppen.

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Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von N. Ozdemir

Der Wiederaufbau der Stadt Kobane

Horrifying destruction of Kobane (Photo Mahmoud Bali)
Horrifying destruction of Kobane (Photo Mahmoud Bali)

Mutlu Civiroglu                     https://twitter.com/mutludc

Über vier Monate war Kobane den Angriffen der ISIS ausgesetzt. Nach der Befreiung der Stadt wurde das Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Die Stadtverwaltung konzentriert sich nun auf den Wiederaufbau der Stadt und gründete eigens zu diesem Zweck ein Komitee (http://helpkobane.com/).

Der Journalist Mutlu Civiroglu interviewte dazu Xalid Berkel (stellvetretender Vorsitzender des Kantons Kobane), Ibrahim Ayhan (HDP-Abgeordneter der Stadt Riha, türkisch Sanliurfa), Dr. Nahsan Ahmed (Vorsitzender des Gesundheitskomitees), Hisen Mihemed Eli (Vorsitzender des Bildungskomitees) sowie die Journalisten Hatice Kamer und Omer Faruk Baran.

Mutlu Civiroglu: Herr Xalid Berkel wie sieht die Lage in Kobane seit der Befreiung aus und was können Sie uns über die Arbeiten des Komitees zur Koordinierung des Wiederaufbaus der Stadt mitteilen?

Xalid Berkel: Wie Sie wissen, konzentrieren wir uns seit der vollständigen Befreiung der Stadt auf den Wiederaufbau. Daher haben wir für den Wiederaufbau ein Komitee gegründet, in dem auch Experten vertreten sind – wie Ingenieure und Ärzte. Im Komitee wird überlegt, wie der Wiederaufbau erfolgen soll, wie die Flüchtlinge wieder in die Stadt integriert werden können. Es ist bekannt, dass die Lage der Flüchtlinge nicht gut ist. Kobane selbst ist komplett zerstört, Viertel und Straßen sind nicht mehr identifizierbar. Deswegen rufen wir die ganze Welt dazu auf, uns in unserem Vorhaben zu unterstützen. Unseren Aufruf richten wir im Besonderen an die Bevölkerung Kurdistans aus den nördlichen (Türkei-Kurdistan), südlichen Irak-Kurdistan) und östlichen (Iran-Kurdistan) Regionen. Von Südkurdistan fordern wir die Hilfe ein, weil diese Region die Mittel dazu hat. Die Menschen und Organisationen aus Nordkurdistan, bei denen wir uns nicht oft genug bedanken können, haben uns bisher mit allen Mitteln, die ihnen zur Verfügung standen, unterstützt.

Mutlu Civiroglu: Haben Sie mit internationalen Organisationen verhandelt? Vertreter aus Kobane betonen oft, dass Kobane keine kurdische Stadt sei, sondern für die gesamte Welt zum Symbol des Widerstandes geworden sei. Viele Menschen möchten helfen, zivile Menschen aus der ganzen Welt und internationale Organisationen. Wie können diese Hilfen die Stadt erreichen?

Xalid Berkel: Wir haben in vielen Ländern Zweigstellen gegründet, und gedenken weitere zu gründen. Wir arbeiten daran, ein Bankkonto zu eröffnen. Wie Sie gerade betonten, hat Kobane stellvertretend für die gesamte Welt gekämpft, deswegen ist es auch eine Angelegenheit der gesamten Welt an der Neugründung Kobanes zu partizipieren.

Mutlu Civiroglu: Herr Ibrahim Ayhan Sie waren stets an der Grenze (Kobane/Suruc), um Wache zu stehen, um Kobanes Kampf nach außen zu tragen. Welchen Beitrag möchte die HDP für den Wiederaufbau leisten, gibt es konkrete Pläne?

Ibrahim Ayhan: Zuallererst beglückwünschen wir das kurdische Volk, den Nahen Osten und schließlich die ganze Welt zum Sieg. Wie Sie wissen, versucht die ISIS seit über fünf Monaten in Rojava und der Autonomen Region Kurdistan die Kurden auszulöschen. Aber das kurdische Volk hat einen historischen Widerstand geleistet, Kobane selbst ist zum weltweiten Symbol geworden. Die internationale Unterstützung Kobanes nahm zu, auch wir versuchen einen wichtigen Beitrag zu zu leisten: Seit Beginn der Angriffe halten wir Wache an der Grenze und versuchen zugleich die Flüchtlinge zu versorgen. Jetzt investieren auch wir unsere Energie in den Wiederaufbau von Kobane, schließlich sind 90 Prozent der Stadt zerstört. Wir haben die Stadtverwaltung Kobanes zweimal aufgesucht und gefragt, wie wir uns einbringen können. Die Stadtverwaltung  von Kobane hat ein Komitee gegründet. Auch wir haben eines in Suruc gegründet, in dem auch wir als die HDP mitwirken. Daran beteikigt sind auch die DBP (ehemals BDP), andere Organisationen und viele Privatpersonen. Das Problem besteht darin, dass die Grenze nach Kobane, die Mürşitpinar heißt, geschlossen ist und die notwendigen Fahrzeuge und Materialien für den Wiederaufbau nicht nach Kobane transportiert werden können. Ein Korridor ist dringend notwendig.

Mutlu Civiroglu: Die türkische Regierung bereitet also Schwierigkeiten bei der Grenzüberquerung?

Ibrahim Ayhan: Ja, nur Grundnahrungsmittel dürfen nach Kobane befördert werden, Baufahrzeuge nach Kobane zu transportieren, ist uns untersagt worden. Diese Grenze ist zudem kein offizieller Grenzübergang, derzeit verhandeln wir mit der Regierung, auch andere Dinge über diese Grenze nach Kobane zu transportieren.

Mutlu Civiroglu: Kann man nur über Mürşitpinar nach Kobane gelangen? Was werden Sie tun, wenn die türkische Regierung diese Genehmigung nicht erteilt?

Ibrahim Ayhan: Ja, es gibt nur diesen Übergang. Während unserer Gespräche mit der türkischen Regierung ist uns Unterstützung zugesichert worden, aber seit zehn Tagen warten wir auf Ergebnisse. Aus Amerika, Europa, der Autonomen Region Kurdistans, von verschiedenen Organisationen und vielen Menschen ist uns bekannt, dass sie am Wiederaufbau mitwirken  möchten. Aber bis der Übergang geschlossen bleibt, gelangt nichts nach Kobane.

Mutlu Civiroglu: Der Wiederaufbau der Stadt kann nicht allein den Kurden aus Bakur (Türkei-Kurdistan) zugemutet werden. Viele internationale Organisationen und Privatpersonen erklären sich in sozialen Medien bereit, behilflich zu sein. Gibt es eine Zusammenarbeit zwischen Ihrer Komission und internationalen Organisationen? Wie können diese Organisationen den Kontakt zu Ihnen aufnehmen?

Ibrahim Ayhan: Unsere Organisation nennt sich “Rojava Yardım Derneği” (Rojava Hilfsorganisation). Weitere Konktaktstellen sind die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der Städte Pirsus (türkisch Suruc), Amed (türkisch Diyarbakir), Merdin (türkisch Mardin) sowie unsere Parteien (prokurdische Parteien HDP und DBP, ehemals BDP). Das sind die Institutionen, die bisher geholfen haben und ihre Hilfe fortsetzen werden. Wir haben auch internationale Organisationen um ihre Unterstützung gebeten. Aber ich wiederhole: Kobane ist derzeit von drei Seiten (Westen, Süden, Osten) von der ISIS umzingelt. Die einzige Verbindung, die wir nutzen können, ist der Grenzübergang im Norden,  Mürşitpınar, der dringend geöffnet werden muss.

Mutlu Civiroglu: Herr Xalid Berkel, was erhoffen Sie sich als ein Repräsentant der Stadtverwaltung Kobanes von Ankara?

Xalid Berkel: Es ist eine menschliche Pflicht und ein Nachbarschaftsgesetz, Kobane zu unterstützen und den Wiederaufbau nicht zu sabotieren. Unsere alte Forderung nach einem Hilfskorridor ist immer noch nicht erfüllt. Bisher war die Türkei uns in einigen Hinsichten eine große Hilfe, über die Grenze duften einige Grundnahrungsmittel nach Kobane befördert werden, aber wir hoffen, dass sie uns in Zukunft besser unterstützt. Der Wiederaufbau Kobanes würde auch der Türkei zugute kommen. Denn seit der Befreiung der Stadt herrscht in Kobane Freiheit und Sicherheit.

Mutlu Civiroglu: Herr Ibrahim Ayhan sind Sie auch der Auffassung, ein sicheres Kobane käme auch den Interesse der Türkei zugute?

Ibrahim Ayhan: Die Türkei hat von Beginn an eine Politik gegen die Kurden geführt. Im Kampf um Kobane hat die Türkei der ISIS geholfen. Wir kritisieren diese falsche Politik, die weder der Türkei noch dem Nahen Osten dient. Wir fordern, dass die Türkei diese Politik ändert. Mit den Kurden muss die Türkei Verbindungen eingehen und die bestehenden mit der ISIS beenden. Die Türkei hat auch den Status von Rojava anzuerkennen. Lange Zeit hat die Türkei die Autonome Region Kurdistan nicht anerkannt und auch da Schwierigkeiten bereitet. Heute behauptet die türkische Regierung, Rojava nicht anerkennen zu wollen. Das ist ein falsches Vorgehen und wir fordern, dass sie dieses überdenkt. So wie die Türkei heute offiziell mit der Autonomen Region Kurdistan verhandelt, muss sie sich auch Rojava annähern. Seit tausenden Jahren leben Türken und Kurden brüderlich miteinander. Von jetzt an werden die Kurden zurecht überall ein freies Leben einfordern. Deswegen muss sich die Türkei mit den Kurden zusammensetzen.

Mutlu Civiroglu: Herr Hisên Mihemed Elî, auch die Schulen sind von der Zerstörung betroffen. Schülerinnen und Schüler werden in Flüchtlingslagern unterrichtet. Wie verlaufen die Arbeiten für die Errichtung des Bildungsssystems, welche Hilfe wird gebraucht?

Hisên Mihemed Eli: Von den dreizehn Schulen, die vor den Angriffen existierten, können nur drei genutzt werden. Wir haben vor, an den Plätzen der zerstörten Schulen neue zu errichten. Wir erhoffen uns internationale Unterstützung, auch für die Anschaffung von Inventar und Schulmaterialien. Von der Türkei erhoffen wir uns die Öffnung des Grenzübergangs, damit auch die Hilfe vom kurdischen Volkes, insbesondere von den Menschen, die in Europa und in der Autonomen Region Kurdistan leben, nach Kobane gelangen kann.

Mutlu Civiroglu: Wir wissen, dass alle Krankenhäuser Kobanes zerstört wurden, es herrscht ein Mangel an Ärzten und Medikamenten. Wie sieht die derzeitige medizinische Versorgungslage in Kobane aus?

Dr. Nahsan Ahmed: Während der Angriffe wurde das Versorgungssystem in Kobane fast vollständig, zu 90 Preozent, zerstört, worden. Deswegen sehen wir uns mit großen Schwierigkeiten konfrontiert: 1. Der Kanton Kobane braucht dringend Medikamente und medizinische Geräte, da die Anzahl der Rückkehrer täglich steigt. 2. Hunderte Leichen von ISIS-Kämpfern befinden sich bis zum heutigen Zeitpunkt unter den Trümmern der Stadt. Dies ist ein großes gesundheitliches Risiko. 3. In der Stadt gibt es hunderte Blindgänger, die eine große Gefahr darstellen, schließlich spielen Kinder auf den Straßen. Deswegen richten wir unseren Aufruf an alle internationalen Organisationen, damit vor allem die Leichen professionell entfernt und Blindgänger entschärft werden. 4. Viele Kinder sind traumatisiert vom Krieg und brauchen Ablenkung und psychologische Hilfe.

Mutlu Civiroglu: Die Organisationen WHO und Ärzte ohne Grenzen versuchen, in die Stadt zu gelangen, werden aber daran gehindert. Kanada hat vor kurzer Zeit Roboter in die Autonome Region Kurdistan geschickt, mit denen Minen entschärft werden können. Haben Sie sich dahingehend mit  internationalen Ländern und Hilfsorganisationen verständigt?

Dr. Nahsan Ahmed: Natürlich. Wir haben alle Organisationen angesprochen. Ich habe heute mit Vertretern von Ärzte ohne Grenzen gesprochen, die von der türkischen Regierung daran gehindert wurden, in die Stadt zu gelangen. Auf türkischer Seite können diese Organisationen nichts ausrichten, sie müssen nach Kobane durchgelassen werden und sich selbst ein Bild von der Lage machen. Offiziell hat bisher keine einzige Organisation Kobane Hilfe zugesprochen.

Mutlu Civiroglu: Wie begründen Sie diese Untätigkeit der Hilfsorganisationen?

Dr. Nahsan Ahmed: Viele der Organisationen kennen uns nicht und möchten sich zunächst ein eigenes Bild von Kobane machen. Wir in Kobane sind bereit, alle zu empfangen. Das Problem ist die Türkei, welche den Grenzübergang nicht öffnet. Zum Teil ist es  Organisationen und Journalisten nur möglich, sich ein bis zwei Stunden in der Stadt aufzuhalten. In diesem Zeitraum kann natürlich nichts erreicht werden.

Mutlu Civiroglu: Herr Ibrahim Ayhan Sie haben gehört, dass von allen Seiten der verschlossene Grenzübergang kritisiert wird. Was kann die USA tun, um die Haltung der Türkei zu ändern?

Ibrahim Ayhan: Der Einfluss der USA auf die Türkei ist sehr groß. Lange Zeit hat die Türkei sich gesträubt, die Peschmerga nach Kobane passieren zu lassen. Die USA hat sich eingeschaltet, sodass die Peschmerga nach Kobane gelangen konnten. Wir glauben, dass die USA auch diesmal Druck auf die Türkei ausüben kann, damit die türkische Regierung uns entgegen kommt. Ich habe wegen der Organisation Ärzte ohne Grenzen mit den Gouverneuren von Urfa und Suruc gesprochen, aber die Einreise nach Kobane ist ihnen nicht erlaubt worden. Viele Delegationen aus verschiedenen europäischen Ländern kommen nach Suruc, einige haben sehr große Hilfen versprochen, aber auch ihnen wird die Einreise nach Kobane verwehrt. Deswegen hoffen wir, dass die USA abermals Druck auf die Türkei ausübt.

Mutlu Civiroglu: Die US-Außenamtssprecherin Jen Psaki hatte kürzlich mitgeteilt, dass die Unterstützung von Kobane fortgesetzt werden würde. Die USA möchte nicht nur militärische, sondern auch humanitäre Hilfe in Syrien leisten. Wird sich die HDP mit der USA zusammensetzen, damit die Hilfe ausgeweitet werden kann?

Ibrahim Ayhan: Morgen besuchen uns Mitarbeiter des US-Konsulats aus Adana in Suruc, um über die Neugründung der Stadt zu sprechen. Es gab auch in der Vergangenheit Gespräche in Adana und wir glauben, dass die Zusammenarbeit in Zukunft verstärkt wird. Die USA hatte ohnehin in der Anti-ISIS-Koalition eine sehr aktive und bedeutende Rolle für Kobane gespielt.

Mutlu Civiroglu: Die US-Bevölkerung hat einen großen Einfluss auf die Regierung gehabt. Mit der passiven Haltung der Regierung zu Beginn der Angriffe waren viele nicht einverstanden und haben Druck ausgeübt, sodass diese sich genötigt sah, militärisch einzugreifen. Und auch jetzt machen sich viele Bürger dafür stark, dass Kobane humanitäre Hilfe und Unterstützung für den Wiederaufbau erhält.

Ibrahim Ayhan: Ja, das ist wahr. Wir fordern aber nicht nur die USA sondern auch Europa auf, den Wiederaufbau zu unterstützen. Auch sie müssen sich einschalten, insbesondere wegen der Zurückhaltung der Türkei. So wie der Sieg des Widerstandes von Kobane ein Sieg der ganzen Welt war, muss auch der Wiederaufbau als ein internationales Projekt angesehen werden.

Mutlu Civiroglu: Herr Xalid Berkel welche Rolle sollte die USA Ihrer Meinung nach einnehmen  mit Hinblick auf den Wiederaufbau?

Xalid Berkel: Sowohl bei den Luftschlägen als auch bei der Durchreise der Peschmerga durch die Türkei hat die USA eine führende Rolle gespielt. Wir hoffen, dass sie auch beim Wiederaufbau eine ähnlich große Hilfe sein wird.

Mutlu Civiroglu: Frau Xecîcan Farqîn, Sie haben Kobane vor einigen Tagen als Journalistin besucht. Was waren Ihre Eindrücke von der Stadt?

Xecîcan Farqîn: Suruc und Kobane sind nicht weit voneinander entfernt, aber sobald ich Kobane betrat, kamen mir Bilder vom Zweiten Weltkrieg in den Sinn. Man fragt sich, ob es sich um eine Filmkulisse oder um eine reale Stadt handelt. Denn kein Haus dort ist unverschont geblieben. Ich hatte das Gefühl, als befände ich mich in einer Geisterstadt, da ich nur Kämpfer der YPG und  Kämpferinnen der YPJ sah. Mir war klar, dass in der Stadt ein großer Kampf geherrscht hatte, aber ich habe mich gefragt, ob der Wiederaufbau nicht vielleicht ein größerer Kampf sein wird. Vorher war Kobane eine Stadt, die 40-50 Tausend Einwohner beherbergte, wegen des syrischen Bürgerkrieges war die Bevölkerungszahl enorm stark gestiegen. Jetzt befinden sich 150-180 Tausend Menschen in Suruc und anderen kurdischen Städten. Eine Rückkehr dieser Menschen ist derzeit unter keinen Umständen möglich. Deswegen glaube ich, dass der eigentliche Kampf jetzt beginnt, der Kampf des Wiederaufbaus, auch wenn die Menschen, die ich in Kobane sah, überglücklich waren. Herr Anwer Muslim und Frau Ayşe Efendi von der Stadtverwaltung sagten, der Wiederaufbau sei eine große Herausforderung und ohne die Unterstützung internationaler Organisationen nicht möglich.

Mutlu Civiroglu: Herr Omer Faruk Baran, Sie befinden sich derzeit an der Grenze, in Suruc. Auch Sie waren in Kobane, welche Eindrücke haben Sie dort gewonnen?

Omer Faruk Baran: Ich war nicht lange in der Stadt, aber der Zustand hat mich sehr schockiert, ich habe einige Tage mit diesen Erfahrungen kämpfen müssen. Die gesamte Stadt ist zerstört. In der ganzen Welt mündet jeder Krieg in einem weiteren Krieg. Der Folgekrieg in Kobane wird der Wiederaufbau sein. Die Bevölkerung Kobanes möchte um jeden Preis zurück. Vorher muss noch viel passieren: Wir hatten das Beipsiel mit der Organisation Ärzte ohne Grenzen angesprochen. Internationalen Organisationen ist es nicht möglich, die Grenze ohne Schwierigkeiten zu passieren, um in Kobane Hilfe leisten zu können.

Mutlu Civiroglu: Herr Xalid Berkel, jeder der Kobane gesehen hat, scheint angesichts der dramatischen Bilder sprachlos zu sein. Sie haben Kobane auch während des Krieges nie verlassen. Was sagen Sie dazu?

Xalid Berkel: Wie beide Journalisten sagten, müssten die Geschichten aus jeder Straße und jedem Haus in Kobane verschriftlicht werden, aber Worte reichen nicht aus, um dies zu tun. Es wurde großes Leid erlitten. Und man ist ernstaunt, wie ein solcher Widerstand geleistet werden konnte. In Kobane wurde gezeigt, dass die ISIS wieder aus den Städten vertrieben werden kann, aber die Opfer waren groß und die Stadt ist zerstört.

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Mutlu Civiroglu ist ein Analytiker kurdischer Angelegenheiten mit dem Schwerpunkt auf Syrien und der Türkei. Er verfolgt insbesondere den Kampf der YPG gegen die ISIS und andere dschihadistische Gruppen.

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Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von https://twitter.com/ViyanKurd

Anwar Moslem, Premierminister des Kantons Kobane: “Die ganze Welt hat Anteil am Sieg.”

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Mutlu Civiroglu   https://twitter.com/mutludc

Herr Anwer Moslem, Präsident des Kantons Kobane. Gestern wurde in einer offiziellen Stellungnahme die Befreiung Kobanes bekannt gegeben. Diese Meldung wird seit Montag unter den Kurden wie auch in der gesamten Welt breit diskutiert. Können Sie Ihre Eindrücke schildern?

Seit fünf Monaten greift die ISIS Kobane an. Die Töchter und Söhne Kobanes sind die Verteidigungskämpfer der Zivilisten und des Kantons Kobane. Deswegen war hier ein Widerstand möglich, dem in der ganzen Welt Respekt gezollt wurde. Er ist auch der Grund für das Einschreiten der internationalen Anti-ISIS-Koalition unter der Führung der USA. Die Luftschläge waren sehr hilfreich im Kampf gegen die ISIS. Die Koalition und alle Menschen, die die Wahrung von Frieden, Demokratie und Brüderlichkeit in Kobane unterstützten, hatten einen großen Anteil am Sieg gegen die ISIS, deren Ideologie nur auf Töten, Foltern und Plündern ausgerichtet ist.

Unterstützt wurden wir auch von unseren Freunden aus einigen Teilen der Freien Syrischen Armee, wie Tuwar al-Raqqa und Shams al-Shamal, sowie der Peshmerga, die mit schwerer Artillerie kämpfte. Deswegen hatte neben den hiesigen Kämpfern die ganze Welt Anteil am Sieg, der nachvier Monaten errungen wurde. Dieser gemeinsame Kampf muss auch nach der Befreiung der Dörfer um Kobane fortgesetzt werden, damit die Terroristen der ISIS überall geschlagen werden.

Die USA hat des Öfteren Stellungnahmen zum Kampf um Kobane abgegeben. Erst gestern hat die US-Außenamtssprecherin Jen Psaki die Verteidiger Kobanes beglückwünscht und eine Fortsetzung der Unterstützung zugesichert. Wie beurteilen Sie die Einstellung der USA?

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Auch wir möchten der USA zum Sieg gratulieren, da sie Anteil am Kampf hatte. Wie ich bereits sagte, hat jeder, der Kobane in irgendeiner Form unterstützt hat, Anteil am Sieg. Kobane gehört nicht mehr nur der Bevölkerung Kobanes, sondern der ganzen Welt. Auch das amerikanische Volk hat uns sehr unterstützt, daher möchten wir diesem ebenfalls beglückwünschen. In der Zukunft werden noch größere Erfolge erzielt werden, wir hoffen, dass die amerikanische Regierung und das amerikanische Volk Kobane auch weiterhin unterstützen wird, denn in Kobane wurden fast 40 Autobomben gesprengt, tausende Mörsergranten sind eingeschlagen. Eine Rückkehr der Zivilisten ist also mit großen Schwierigkeiten verbunden. Wir hoffen, dass die USA den Kanton Kobane genauso unterstützt, wie sie der YPG und YPJ zum Sieg verholfen hat, damit unsere geflüchtete Bevölkerung in ein wiederaufgebautes Kobane zurückkehren kann.

Was hat die Regierung des Kantons Kobane bisher für den Wiederaufbau in die Wege geleitet? Und welche zusätzliche Unterstützung wird gebraucht?

 Wie alle wissen, liegen die Leichen der ISIS noch auf den Straßen oder unter Trümmerbergen. Die größte Befürchtung ist der Ausbruch von Krankheiten, daher wird medizinische Unterstützung benötigt. Zum Zweiten sind die Straßen unbefahrbar, wir brauchen Fahrzeuge, um sie freizuräumen. Zudem ist die gesamte Stadt zerstört, wir bitten um die Unterstützung von Organisationen und Fachkräften für den Wiederaufbau der Stadt. Wir haben mit ersten Vorbereitungen begonnen und ein Komitee gegründet, in der Ingeniere, Anwälte, Ärzte und Lehrer vertreten sind. Diese werden einen Bericht über die Ausmaße der Zerstörung und der benötigten Hilfe erstellen und diesen der Öffentlichkeit präsentieren, damit dem Kanton Kobane gezielt geholfen werden kann.

Wurde Ihnen bisher Hilfe von der Anti-ISIS-Koalition, der internationalen Gemeinschaft oder internationalen Organisationen in Aussicht gestellt?

Seit der Befreiung der Stadt sind erst zwei Tage vergangen, offizielle Zusagen bezüglich konkreter Hilfsmaßnahmen haben wir noch nicht bekommen. Aber wir werden unsere Dialoge mit allen Ländern, internationalen Menschenrechts- und Hilfsorganisationen fortsetzen, damit die notwendige Unterstützung in die Wege geleitet wird. Aber die Gefahr ist noch nicht gebannt, die ISIS wütet immer noch in den umliegenden Dörfern.

Sie erwähnten gerade die Dörfer, die Medien berichten davon, dass die YPG damit begonnen hat, die Dörfer zu befreien. Wie wird die Befreiung dieser Dörfer vonstatten gehen, mit welchen Schwierigkeiten ist diese Befreiungsphase verbunden und wieviel Zeit werden diese Operationen Ihrer Einschätzung nach in Anspruch nehmen?

Kobane hat 380 Dörfer. Aber die ISIS befindet sich nicht in allen diesen Dörfern, diese Möglichkeiten haben sie nicht. In Kobane wurden viele ihrer Anführer getötet. Die YPG wird versuchen, den Kampf um diese Dörfer schnellstmöglich für sich zu entscheiden. Aber nach wie vor braucht die YPG bessere Waffen und Munition.

Wieviele Dörfer wurden bisher befreit?

Um die Stadt herum wurden zahlreiche Dörfer befreit, viele weitere werden noch umkämpft. Die YPG wird in der näheren Zukunft Auskunft über die Anzahl befreiter Dörfer geben.

Verübt die Koalition gleichzeitig weitere Luftschläge oder haben diese abgenommen?

Die Koalition schwächt die ISIS sichtlich mit ihren Luftschlägen, auch in den Dörfern, in denen sie jetzt Luftschläge verübt.

Aus amerikanischen Stellungnahmen ist zu entnehmen, dass 90 Prozent der Stadt befreit seien, keine 100 Prozent. Können Sie uns erklären, worauf sich diese Stellungnahmen stützen?

Der Umstand, dass von 90 Prozent gesprochen wird, macht deutlich, dass noch ein Risiko besteht. Aber wir haben gestern bekannt gegeben, dass die Stadt vollständig befreit ist, das ist der neueste Stand. Allerdings haben wir es mit keinem einfachen Gegner zu tun, die Dörfer sind noch gefährdet, aber wir hoffen, dass wir auch diese in Kürze befreien werden.

Ich möchte Sie am Ende des Gesprächs um Ihre Meinung zu den Unterstützern von Kobane fragen. Nicht nur unter den Kurden, sondern in der ganzen Welt freuen sich Menschen über die Befreiung Kobanes.

Ich möchte mich im Namen des gesamten Kantons Kobane bei all denjenigen bedanken, die sich für Kobane eingesetzt und diesen Wiederstand unterstützt haben, bedanken. Wir hoffen, dass diese Unterstützung fortgesetzt wird, damit Kobane wiederaufgebaut werden kann. Die kurdische Jugend, insbesondere die jungen Männer und Frauen aus Kobane möchten wir bitten, sich diesem Widerstand anzuschließen. Ich gratuliere nochmals allen zum Sieg über den Terror.

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Mutlu Civiroglu ist ein Kurdischen Angelegenheiten Analyst mit Schwerpunkt auf Syrien und der Türkei. Er verfolgt aufmerksam Kurdischen Volksverteidigungseinheiten (YPG) Kampf gegen ISIS und anderen dschihadistischen gruppen .

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Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von https://twitter.com/ViyanKurd

YPJ-Kommandantin aus Kobane: “Die Angst, Welche die ISIS Verbreitete, ist in Kobane Überwunden Worden”

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YPJ-Kommandantin Meryem Kobane zur aktuellen Lage in Kobane, über die Rolle der Kurden im Kampf gegen die ISIS und über den Umgang der westlichen Staaten mit den Kurden

Seit Beginn des Kampfes um Kobane sind vier Monate vergangen. Täglich haben die YPG und YPJ Fortschritte zu verzeichnen, die ISIS wird weiter aus der Stadt gedrängt. Wie sieht die aktuelle Situation aus, wie weit sind die Kurdischen KämpferInnen vorgerückt?

Wir haben vor einiger Zeit begonnen, die Stadt vollständig zu befreien. Diesem Ziel arbeiten wir weiterhin auf Hochtouren entgegen. Wir erzielen große Fortschritte am Mistenur-Hügel, im Osten, im Stadtinneren und in dem Gebiet, das sich von der Sheria-Moschee bis hin zum Viertel Kaniya Kurda erstreckt. Fortschritte werden auch an der Straße nach Aleppo erzielt, die Dörfer Termik, Memit und Golmik sind von der ISIS gesäubert worden. In diesem beispiellosen Kampf schreiten die KämpferInnen der YPG und YPJ mit ungebrochenem Willen voran.

In diesem Zusammenhang müssen auch die seit kurzem zugenommenen Luftschläge der Koalition erwähnt werden. Wir haben gehört, dass sich auch Frauen unter den Piloten der Koalition befinden, wir als die YPJ [Fraueneinheit] möchten diesen Frauen einen ganz besonderen Dank aussprechen. Wie schon oft betont, kämpfen wir hier stellvertretend für alle Frauen der Welt. Wir bekämpfen die ISIS, die das Zusammenleben verschiedener Religionen, Minderheiten und Identitäten nicht akzeptiert. Jedes einzelne demokratische Individuum des Jahrhunderts, das den Frieden verteidigen möchte, muss gegen diesen Terror kämpfen, ganz egal wo es sich befindet. Das ist ein ehrenhafter Kampf gegen eine Organisation, die behauptet im Namen des Islam zu kämpfen, aber rein gar nichts mit dem Islam oder der Menschlichkeit gemein hat.

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Wann schätzen Sie, wird es möglich sein, den Kampf mit einem Sieg zu beenden?

Diese Operation ist nicht von der Art, dass wir sie einfach beenden könnten. Wir werden unsere Operation fortsetzen bis die ISIS aus jedem Winkel Kobanes und aus jedem Dorf vertrieben ist.

Sie haben gerade die weiblichen Piloten erwähnt. Es scheint, als habe der Kampf der YPJ zahlreiche Frauen in der ganzen Welt inspiriert. Über die YPJ wurden Lieder und Berichte geschrieben, Gemälde angefertigt. Hillary Clinton hat in den höchsten Tönen über die YPJ gesprochen.

Die Augenfarben der Frauen in der Welt mögen unterschiedliche sein, aber ihre Tränen sind die gleichen, Es gibt keinen Unterschied zwischen den Frauen des Nahen Ostens und den Frauen in Europa, es macht keinen Unterschied, wo sie leben, wir haben alle dasselbe Ziel. Kobane hat einen Widerstand erlebt, den kein Buch und kein Gefühl ausreichend wird beschreiben können. So viele Kämpferinnen haben ihre Leben geopfert und ihre Körper vor unseren Augen in die Luft gesprengt, um die ISIS daran zu hindern, weiter vorzudringen. Sie haben sich der ISIS nicht ergeben. Unsere Freundinnen wie Arin Mirkan und Rehana, unsere Kammeraden wie Baran und der Märtyrer Diyar und Dutzende andere haben versprochen, bis zum Ende zu kämpfen. Zweifellos sie es, die unseren Kampf inspirieren.

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Ich glaube, dass der in Kobane stattfindende Kampf und die in Kobane gemachten Opfer die Renaissance des Nahen Ostens einleiten werden. Nichts fürchten diese kämpfenden Frauen, die eine Zeit einläuten wollen, in der alle Menschen zusammen und gleich leben können. Jede Frau, die Freiheit ersehnt und verlangt, sollte diesen Kampf unterstützen. Dieser Kampf ist nicht nur ein bewaffneter, sondern auch ein gesellschaftlicher Kampf um unsere Rechte. Man ist ungeschützt, sowohl als Individuum als auch als Nation, wenn man keine Rechte besitzt. Wir haben uns nicht alleine gefühlt, auch nicht unter den schwierigsten Bedingungen, und wir glauben, dass jede Frau mit uns mitfühlt. Wir fordern einzig von allen, die uns hören und sehen können, die heldenhaften Handlungen, Opfer und die hier erfahrenen Schwierigkeiten zu beobachten und uns zu unterstützen.

Ich würde Sie gerne nach Ihren persönlichen Gedanken und Gefühlen fragen. Sie haben in allen Interviews mit hoffnungsvoller Stimme gesprochen, auch während der Tage mit den heftigsten Kämpfen. Was ist es, das Sie die Hoffnung nicht aufgeben lässt.

Ich sollte zuallererst die Ideen unseres Anführer Apo [Abdullah Öcalan] erwähnen, die einen großen Einfluss auf unsere Emotionen gehabt haben. Unsere Herzen glauben an seine Philosophie, die besagt, dass dem kämpfenden Menschen ein Erfolg zusteht. Hoffnung ist etwas, das ehrenhafter ist als ein Sieg. Wir haben unsere Zuversicht auch in den schlimmsten Tagen nicht verloren, weil wir an unseren Willen geglaubt haben. Es gab keine Unterstützung der Koalition als die Kämpfe begannen. Trotzdem konnte die Welt heldenhafte Handlungen in Kobane bezeugen. Alle unsere weiblichen und männlichen Kammeraden kämpften mit nicht sehr effektiven Kalaschnikows, aber mit Kampfgeist.

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Ich sollte auch erwähnen, dass in Kobane der Kampf gegen die ISIS seit zwei Jahren andauert, wir haben an Kampferfahrung gewonnen. Zu Beginn der Zusammenstößen, wurde im Dorf Serzori Geschichte geschrieben: Zwölf unserer Kammeraden befanden sich in der Dorfschule, als drei Panzer [der ISIS] das Schulgelände betraten. Unsere Kammeraden sagten, dass sie sich nicht ergeben würden und dass ihr Märtyrertod die größte Strafe für die ISIS sein würde. Es ist diesem Kampfgeist zu verdanken, dass wir glaubten, dass Kobane nicht fallen würde, solange sich hier auch nur ein Kurde aufhielt. Unsere Entschlossenheit wurde stärker, als wir sahen, dass aus allen vier Teilen Kurdistans Menschen zur Unterstützung nach Kobane kamen, trotz der Restriktionen durch den türkischen Staat. Wir versprachen, um jede Straße, um jedes Haus und um jeden Quadratzentimeter zu kämpfen, das haben wir getan und tun es immer noch. Die ISIS wird Kobane nicht einnehmen, Kobane ist unvergleichbar. Kobane ist nicht Jarablus, Manbij, Mossul oder irgendeine andere Stadt. Kobane ist Kurdistan und der Geist der Kurden akzeptiert keine Kapitulation.

Sie erwähnten, dass die Luftschläge der Koalition in letzter Zeit zugenommen hätten. Prozent der Luftschläge in Syrien wurden in Kobane ausgeübt. Es wird berichtet, dass die Koalition auch Angriffsziele außerhalb der Stadt bombardiert.

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Der ehrenvolle Kampf der KämpferInnen der YPG und YPJ und des kurdischen Volkes hat bewiesen, dass Kobane triumphieren wird. Die Welt hat auch gelernt, dass die ISIS nicht nur die Kurden bekämpft. Die ISIS ist eine Organisation, die verschiedene Kulturen, Religionen, Identitäten und Frauen nicht duldet. Die internationalen Mächte sahen, dass diese Organisation nicht nur für Kobane, für die YPG und YPJ, für unser jezidisches Volk oder für Syrien eine Gefahr darstellt, sondern für die gesamte Menschheit. Die von der ISIS begangenen Taten werden nicht vom Islam und vom Koran akzeptiert. Die internationalen Mächte begannen, die ISIS auch außerhalb von Kobane anzugreifen, nachdem sie sahen, dass die ISIS die Menschheit bedrohte.

Die ISIS ist keine Organisation, die um Land oder eine Nation kämpft. Sie möchte Konflikte unter den Menschen stiften und überall plündern. Sie bekämpfen die Zeugnisse der Geschichte, zerstören Kirchen und Moscheen. Ich kann keine Kirche oder Moschee ablehnen, die für ihre Besucher heilig sind. Wir können keine Orte gering schätzen, an denen eine Religion ausgeübt wird. Das was die ISIS jetzt tut, hat auch Dschingis Khan getan, der die Werte und die Geschichte der Völker des Nahen Ostens mit seinem Einmarsch zerstören wollte. Die Welt hat sich jetzt der Wahrheit gestellt und ist tätig geworden. Diesbezüglich ist die Unterstützung der Koalition sehr bedeutsam.

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Ich würde Sie auch gerne wegen der Angriffe in Europa – Frankreich und Belgien – befragen. Die Gefahr, von der Sie sprechen, ist nun auch dort angekommen. Viele Menschen messen der Bedeutung der Kurden im Kampf gegen die ISIS mehr Gewicht bei. Was ist Ihre Meinung bezüglich der Angriffe in Frankreich?

Wir verurteilen diese Angriffe, weil die ISIS die gesamte Menschheit angreift. Ich beobachte die ISIS seit drei Jahren sehr genau und bin vertraut mit den Gedanken und Handlungen dieser Gruppe. Bevor sie einen Ort angreifen, sprechen sie ein sogenanntes Fatwa aus und verbreiten dieses. Allerdings konnte jeder sehen, dass die Angst, die sie verbreiteten, in Kobane geschlagen wurde. Sie beanspruchen für sich selbst das Recht, Orte, in denen sich Nicht-Muslime aufhalten, anzugreifen. Die ISIS zielt nicht nur auf das kurdische Volk, sondern auf die ganze Welt ab, das ist der Hauptgrund, warum eine Einheit gegen diese Organisation gebildet werden muss. Im Nahen Osten agiert sie im Namen des Islam. Mit dieser Angelehenheit muss man sich umfassend befassen. Nicht alle Muslime sind Mitglieder der ISIS. Diese Wahrheit muss berücksichtigt werden.

Vor zwei Tagen gab es ein Treffen der internationalen Anti-ISIS-Koalition in London. Die Kurden wurden nicht eingeladen. Masud Barzani, Präsident der Autonomen Region Kurdistans, hat diese Konferenz kritisiert. Wie bewerten Sie es, dass die Kurden, die sowohl in Syrien als auch im Irak die ISIS bekämpfen, nicht eingeladen waren?

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Die westlichen Nationen behandeln die Kurden immer noch ganz im Sinne der Staaten, die Kurdistan besetzen. Unter dem Einfluss dieser Staaten [Türkei, Irak, Syrien, Iran], beharren sie auf der Existenz der Grenzen zwischen den vier Teilen Kurdistans – genauso wie die Geschehnisse um den Vertrag von Lausanne. Dennoch sind heute trotz dieser Grenzen die Herzen der Kurden geeint. Niemand kann die neue kurdische Generation täuschen oder teilen. Die Strategie “das Lamm im Offenen lassen und es vom Wolf angreifen lassen” ist in Kurdistan zerschlagen worden. Ich möchte wiederholen, dass keine Strategie und keine Vereinbarung, die die Kurden exkludiert, im Nahen Osten Erfolg haben kann. Die Diplomaten mögen denken, sie hätten heute gesiegt, aber morgen oder übermorgen werden sie verstehen, dass sie im Unrecht sind. Die Tatsache, dass die Kurden nicht eingeladen waren, ist nicht gerecht, da es die Kurden sind, die auf dem Boden die ISIS bekämpfen.

Durch dieses Interview, möchten wir allen Menschen und der Koalition unseren Dank aussprechen, die uns unterstützt haben. Wir haben an den schwierigsten Tagen einen Sieg versprochen und werden die frohe Botschaft des Sieges am schönsten Tag verkünden.

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Mutlu Civiroglu ist ein Analytiker Kurdischer Angelegenheiten mit dem Schwerpunkt auf Syrien und den Irak. Er verfolgt insbesondere den Kampf der YPG gegen die ISIS und andere dschihadistische Gruppen.

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Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von https://twitter.com/ViyanKurd

Der Journalist Bali Berichtet Aus Kobane

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Der Journalist Bali berichtet aus Kobane (Telefoninterview vom 15. Januar 2015)

Mutlu Civiroglu https://twitter.com/mutludc

Die ISIS soll heute versucht haben, Autobombenanschläge und Selbstmordattentate auszuführen. Können Sie diese Berichte bestätigen?

Heute Mittag hat die ISIS drei solcher Attentate verübt. Einmal haben sie versucht eine Autobombe am Ende der 48. Straße explodieren zu lassen, die YPG konnte diesen Anschlag vereiteln, bevor das Fahrzeug die kurdischen Kämpfer erreichen konnte. Nach diesem Vorfall fand im Osten der Stadt ein heftiger Kampf zwischen der YPG und der ISIS statt, zwei Selbstmordattentäter der ISIS haben sich dabei in die Luft gejagt. Es sollen dort auch dutzende ISIS-Kämpfer getötet worden sein, diese Angaben konnten bisher nicht bestätigt werden. Der Kampf dort dauert noch an. Aus Tall Abyad und Sirrin kann die ISIS immer noch Kämpfer und Waffen nach Kobane transportieren. Von diesen Gebieten aus haben sie 30 bis 35 Fahrzeuge, beladen mit Kämpfern und Waffen, nach Kobane transportiert, um erneut anzugreifen. Leider führt die Koalition bisher keine Angriffe auf diese Nachschubwege aus. Auch die Ortschaften um Kobane herum werden nicht zum Ziel  der Luftangriffe, lediglich in Kobane werden diese durchgeführt. Dieses Verhalten hat einen negativen Einfluss auf den Kampf in Kobane. Denn die ISIS muss von allen Seiten angegriffen werden, damit die Stadt schneller befreit werden kann.

Gestern hat uns der YPG-Sprecher Şoreş Hesen aus Kobane mitgeteilt, dass in dem Dorf Şêran, das 7-8 km von Kobane entfernt liegt, 10 ISIS-Kämpfer getötet wurden, durch einen Luftschlag. Das war doch ein Luftschlag außerhalb von Kobane.

Das stimmt, dies dürfte der erste Luftschlag außerhalb von Kobane gewesen sein – das Dorf befindet sich 5-6 km östlich von Kobane –, aber das reicht nicht aus. Die ISIS muss bestimmter und häufiger angegriffen werden. Wir haben in Erfahrung gebracht, dass die ISIS über den Fluss Euphrat mit Schiffen und anderen Wasserfahrzeugen Waffenarsenal aus Tabqa über Sarrin nach Kobane liefert. Solche Meldungen erreichen uns täglich. Leider wurden solche Einheiten nie zum Angriffsziel der Luftschläge.

Die Koalition hat die meisten Luftschläge in Kobane durchgeführt, wie erklären Sie sich diese Tatenlosigkeit hinsichtlich der Nachschubwege.

Ich erkenne zwei Gründe: Zum einen sieht die Koalition keine große Gefahr in der ISIS für ihre eigenen Länder und geht nicht rigoros gegen diese vor, das Ziel der Koalition scheint nicht die vollständige Vernichtung der ISIS zu sein. Zum anderen glaube ich persönlich, dass die YPG in die Position gedrängt werden soll, sich mit anderen Gruppen, wie die der Freien Syrischen Armee, Allianzen einzugehen. Eines möchte ich klarstellen: Die einzige glaubwürdige Kraft im Nahen Osten, welche gegen diese Terroristen ankämpft, sind die Kurden, die YPG. Die Freie Syrische Armee teilt die Ideologie der ISIS, viele ihrer Kämpfer und Anführer haben in den Pariser Terroristen Märtyrer gesehen.

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Wer hat sie zu Märtyrern erklärt?

Sie haben dieses Attentat in Paris als normal empfunden und meinten, Muslime hätten das Recht ihren Propheten zu rächen. Diese Opposition kämpft zwar gegen die ISIS, aber unterscheidet sich in ihrer Überzeugung nicht von der ISIS-Ideologie.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung des Kampfes von Kobane ein?

So wie ich die YPG kennengelernt habe, wird sie den Kampf fortsetzen, bis auch das letzte Dorf befreit ist. Die YPG geht im Kampf gegen den Terror keinen Schritt zurück. Am 28. oder 29. September 2014 hat die YPG eine eindeutige Erklärung gegeben, nämlich, dass sie bis zum letzten Mann kämpfen wird, das ist ihr Prinzip. Sie wird mit allen Möglichkeiten und größtem Willen diesen Kampf fortsetzen

Ein ISIS-Kommandant aus dem Kafkas soll getötet worden sein. Von ihm soll es Videomaterial geben, in welchem er Kinder rekrutiert. Können Sie seinen Tod bestätigen?

Es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass er in Kobane getötet wurde, die ISIS selbst hat dies zugegeben. Seine Leiche ist noch nicht im Besitz der YPG, sondern liegt noch irgendwo unter Trümmern, sobald diese ausfindig gemacht wird, wird die YPG eine Meldung herausgeben.

Ich möchte Sie als letztes fragen, wie das Alltagsleben in Kobane aussieht. Ich habe gesehen, dass dort Schnee liegt, es muss auch sehr kalt sein. Wie können Sie den Alltag in Kobane beschreiben?

Während ich spreche, schneit es. Auch für diese Region ist es ein außergewöhnlich kalter Winter, die Stadt ist von allen vier Seiten eingekesselt. Dennoch geht dieser Widerstand unvermindert weiter. Die Zivilbevölkerung, Frauen und Kinder, wollen trotz aller Unannehmlichkeiten des Krieges diese Stadt nicht verlassen. Die Vereinten Nationen müssen einen Hilfskorridor errichten, die Luftschläge allein reichen nicht aus. Das Leben hier geht weiter, damit es weitergehen kann, müssen die internationale Gemeinschaft, alle Menschenrechts- und Hilfsorganisationen, alle Staaten, die sich als demokratisch bezeichnen, Druck auf die Türkei ausüben und diesen Korridor für die Zivilbevölkerung gewährleisten.

Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von https://twitter.com/ViyanKurd

YPG Kobane-Sprecher Soresh Hasan: Wir Bewegen Uns Zum Ziel

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Mutlu Civiroglu https://twitter.com/mutludc

Soresh Hasan, Pressesprecher der YPG hat in einem Interview gegenüber dem Analysten der kurdischen Frage, Mutlu Civiroglu, die aktuelle Lage in Kobane beurteilt.

Seit vier Monaten wird in Kobane gekämpft. Gegenwärtig erschweren die Wetterbedingungen den Kampf zusätzlich. Können Sie die Situation der letzten 3-4 Tage zusammenfassen?

Wir haben in den letzten vier Monaten einen einzigartigen Widerstand geleistet. Der Mut, den uns dieser Widerstand gab, ermöglichte uns die Gefechte in den Quartieren Mekteba Res und Mishtenur in den letzten Tagen zurückzudrängen. Im Rahmen unserer Befreiungsaktion, die wir vor einem Monat gestartet haben, konnten wir viele Strassen, die in den Händen der IS-Terroristen waren, zurückgewinnen. IS-Terroristen konnten unsere Erfolge nicht ertragen, worauf sie uns noch stärker angegriffen haben. Sie haben unter anderem Fedai-Aktionen ausgeführt und uns mit Autobomben angegriffen, jedoch ohne Erfolg. Sie konnten nicht fortschreiten. Wir kommen dem Sieg also näher.

Können wir also sagen, dass die Quartiere Mekteba Res und Mishtenur einschliesslich der Gegend um den Wassertank unter der Kontrolle der YPG sind?

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Şoreş Hesen (Foto: Hawar News)

Ja, diese Gegenden befinden sich unter unserer Kontrolle und werden vor allfälligen IS-Angriffen geschützt. Wir sind also nicht nur am Verteidigen sondern auch daran die Stadt zu befreien. Trotz allen schweren Angriffen kommen wir voran. Wir haben uns darauf geeignet, uns nicht zurückzuziehen.

Mittlerweile glaubt die ganze Welt daran, dass Kobane nicht fallen wird, warum aber dauert diese Befreiungsaktion so lange?

Wir haben bereits etliche Male betont, dass der Strassenkampf nicht so einfach ist und es dabei keine Regeln gibt. In den Gegenden, die in den Händen des IS sind, sind alle Strassen miteinander vernetzt, was unsere Arbeit erschwert. Der IS ist eine unberechenbare Organisation deswegen gehen wir langsam aber sicher vor. Wir stellen sicher, dass sie nicht mehr zurückkommen können, und das braucht Zeit.

Es wurde berichtet, dass der IS in den letzten Tagen aus Sirrin und Til Ebyad Verstärkung erhalten hat. Stimmt das?

Ja, das stimmt. Der IS erhält jeden Tag Verstärkung. Aufgrund der schweren Bedingungen (Winter, Müdigkeit etc.) wechseln sie alle 3-4 Tage ihre Kämpfer aus. Ihre Kämpfer haben die Ausdauer nicht, einen Monat am Stück zu kämpfen. Wir können sehen, dass an Stelle derjenigen, die wir vernichten, neue platziert werden. Wir haben zum Beispiel bis jetzt mehr als zehn tschetschenische, 6-7 türkische Gruppen sowie afghanische, kasachische oder tadschikische Gruppen vernichten können. IS-Terroristen, die hier gegen uns kämpfen, stammen aus 27 Ländern. Und das können wir beweisen. Die meisten von ihnen kommen über die Türkei nach Rojava und das weiss der türkische Staat. Die Türkei muss diese Sachlage noch einmal überdenken. Hier wurden hunderte türkische Staatsbürger umgebracht, die Beweise dafür können wir jederzeit den Medien zugänglich machen.

Das ist eine interessante Behauptung. Es wird lediglich von ein paar Personen geredet und Sie reden von hunderten von Personen?

Ja, wir haben die Beweise und können sie auf Wunsch veröffentlichen. Die Türkei muss die Kontrollen an ihren Grenzen verschärfen. Wenn die Türkei nicht mit dem IS zusammen arbeitet so soll sie es der ganzen Welt beweisen. Zudem muss sie verhindern, dass sich ihre Bürger mobilisieren, denn die grosse Zahl der IS-Mitglieder, die aus der Türkei stammen, ruft bei uns einen Verdacht auf.

Ich möchte gerne auf die IS-Verstärkung aus Sirrin und Tal Abyad eingehen. Viele wollen wissen, warum die Koalition nicht die Wege angreift, aus denen die IS-Mitglieder herkommen. Wird der Krieg dadurch nicht in die Länge gezogen?

Etwa 95% der Luftangriffe der Koalition waren erfolgreich. Unter vielen Häusern liegen die Leichen der IS-Terroristen. Ich kann aber nicht sagen, warum die Koalition auch Orte ausserhalb von Kobane angreift. Darauf haben wir keinen Einfluss. Wir können lediglich empfehlen, dass sie mehr Flugzeuge einsetzen sollen. Dies könnte die Versorgung des IS verhindern. Wir glauben dass es diese Möglichkeit gibt. Natürlich wissen wir auch, dass die Koalition die IS-Stellen in Raqqa, Til Hemis, Shingal und Bagdad ebenfalls angreift. Die Koalition hatte auch einmal ein Dorf, 7 km von Kobane entfernt, angegriffen und zehn IS-Terroristen umgebracht. Das ist etwas Neues. Gerade heute erfolgten ausserhalb von Kobane Luftangriffe.

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Vor ein paar Tagen wurde das französische Satire-Magazin „Charlie Hebdo“ angegriffen und dabei 12 Menschen getötet. Ganz Europa ist wegen radikalen Gruppen wie IS und Al-Qaida empört. Wie beurteilen Sie als YPG diese Angriffe?

Der IS ist eine unmenschliche Organisation. Wir finden es sehr wichtig, dass alle demokratischen Länder und Menschen gegen diese Bewegung vorgehen. Es ist sogar schon zu spät. Wir kämpfen hier seit mehr als anderthalb Jahren gegen IS, jeder hat das gesehen aber keiner tat was. Wir sehen die grosse Demonstration in Frankreich mit Beteiligung von Staatsoberhäupter/innen als Antwort auf unsere Kritik. Wir wissen jetzt, dass die ganze Welt in unserem Kampf gegen diese Menschenfeinde auf unserer Seite steht. Ich wiederhole es noch einmal, auch wenn wir in erster Linie für unsere Werte kämpfen, kämpfen wir auch für die ganze Menschheit. Aus diesem Grunde müssen wir unterstützt werden.

Laut einigen Medien soll Frankreich YPG mit Waffen unterstützt haben. Stimmt das?

Nein, das stimmt nicht. Ausser den Waffen, die die Autonome Region Kurdistan mittels Flugzeugen der Koalition überreicht hat und denjenigen, die die Peschmerga-Kämpfer mitgebracht haben, haben wir keine Waffenunterstützung erhalten. Wir sind auf Waffen angewiesen und hoffen auf Unterstützung.

Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von Fatos Koyuncuer https://twitter.com/FKoyuncuer

YPG Oberbefehlshaber von Kobane Berxwedan: Wir werden Kobane bald befreien

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YPG Oberbefehlshaber Mahmud Berxwedan, wir wünschen Ihnen, Ihren Freunden und Kobanê ein frohes neues Jahr. In den letzten Tagen kommen erstaunliche Berichte aus Kobanê, was ist das Ergebnis der letzten Kämpfe?

Mahmud Berxwedan: Wir wünschen vor allem den Christen und der ganzen Welt ein frohes neues Jahr. Bekanntlich haben wir vor ca. 15 Tagen mit den Befreiungsoperationen von Kobanê begonnen. In den östlichen und südlichen Fronten wurden im Rahmen dieser Operation von den YPG und YPJ Kämpfern grosse Erfolge erzielt. Zuletzt haben wir die “Schwarze Schule”, die von den ISIS Terroristen belagert wurde sowie weitere strategische Punkte befreien können. Dabei wurden mehrere Terroristen getötet und Munition beschlagnahmt. Deswegen sind unsere Kämpfer sehr gut gelaunt und glauben fest an einem Triumph.

Wie ist die Rolle der Eroberung der Schwarzen Schule und der strategischen Punkte im Rahmen des Sieges? 

Mahmud Berxwedan: Die Schwarze Schule und die Umgebung teilt Kobanê in zwei Abschnitte. Von Miştenur Hügel geht eine Linie zur Grenze und unter dem Hügel sowie oberhalb auf der 48. Strasse gibt es einen Pool, von da aus kann man die westlichen und östlichen Seiten dominieren. Die strategische Bedeutung dieses Ortes ist sehr gross. Als die ISIS Terroristen hier waren, konnten sie jede Seite der Stadt mit blossem Auge als auch mit Fernglas sehen. Wir können sagen, dass wir diesen Punkt von den Terroristen retten konnten und nun dieser in unserer Kontrolle ist. Deswegen war die gestrige Operation von grosser Bedeutung und war erfolgreich.

ISIS drang von der Ostfront in die Stadt ein und griff hauptsächlich von dieser Seite an. Was hat die Eroberung dieser Punkte für Auswirkungen auf den Ostfront?

Mahmud Berxwedan: Wie schon erwähnt, machte die ISIS seine Fortschritte dank diesen Punkten, da sie von hier aus dieBerxo ganze Stadt kontrollieren konnten. Nun wird die ISIS nicht mehr in der Lage sein, hier zu dominieren, zudem haben wir einen Unterstützungsweg erobern können. Deswegen ist die ISIS zur Zeit in Panik. Vor Schreck haben sie mehrere ihrer Panzer zurückgezogen.

Wie werden die Kämpfe in Kobanê weitergehen, können sie in einem kurzen Zeitraum grössere Fortschritte erzielen und besteht die Hoffnung, dass sie die Stadt von den ISIS Terroristen vollständig befreien können?

Mahmud Berxwedan: Wir wissen, dass die ISIS nicht so schnell Kobanê aufgeben wird. Wir konnten sehen, dass die Terroristen bei den gestrigen Auseinandersetzungen einen grossen Widerstand geleistet haben. Sie nutzen alle Möglichkeiten in vollen Zügen aus, sei es mit ihren Waffen, Panzern oder mit Selbstmordanschlägen. Um Kobanê nicht zu verlieren, haben sie ihre qualifizierten Kämpfer hierher gebracht. Es ist nicht richtig zu sagen, dass die ISIS Terroristen sich von Kobanê zurückziehen, denn jeder Punkt wird von den mutigen YPG und YPJ Kämpfern Stück für Stück erobert und von den Terroristen bereinigt. Journalisten können hierher kommen und es dokumentieren. In jedem Haus, das wir von den Terroristen befreien, kann man ihre Leichen auffinden. Deswegen können wir von einem einfachen Triumph nicht sprechen aber glauben, dass die Terroristen unseren Befreiungsoperationen nicht länger widerstand leisten können.

Haben die erhöhten Selbstmordanschläge der letzten Zeit etwas mit ihrem Gegenangriff zu tun?

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Mahmud Berxwedan: ISIS setzt alles daran, um in Kobanê weiterzukommen. Jeder weiss, dass die wichtigste Methode der ISIS die Selbstmordanschläge ist. In der vergangenen Nacht fanden in der “Schwarzen Schule“ und in anderen Häusern ein paar Explosionen statt. Selbstmordattentate und andere Sprengtaktiken werden durchgeführt. Auf diese Weise wollen sie den Gegnern Angst einjagen, jedoch hat dies in Kobanê nicht funktioniert. Da unsere Kämpfer sehr wachsam und auf professionelle Weise handeln.

Viele Syrien- und Kurdenexperten dachten, dass Kobanê spätestens in zwei Wochen fallen wird. Wie konnte die YPG angesichts eine solchen Kraft der ISIS so lange standhalten und geht jetzt zum Sieg?

Mahmud Berxwedan: Da die YPG Kämpfer eine Kapitulation nicht akzeptieren, liegt das Geheimnis des Widerstands in der Seele versteckt. Mit ihren heldenhaften Kämpfen schrieben sie Epen wie die von Serzorî und obwohl sie von allen Seiten belagert waren, kämpften sie bis zum letzten Tropfen Blut und sagten als sie gefallen sind ’’Bijî Berxwedana Kobanê’’. Märtyrer Zozan und Êrîş sagten, dass die Panzer der Terroristen nur über ihre Leiche in Kobanê eindringen können, haben mutig gekämpft, sind auch genau so gefallen. Das ist das Geheimnis dieser Widerstand, der Kampf von Dutzenden wie Arîn und Kendal. Die Bindung zum Land und ein ehrenvolles Leben zeichnet dieses Mysterium. ISIS Terroristen haben zuvor alle Angriffsziele in kürzester Zeit erobern können, jedoch seit vier Monaten versuchen sie Kobanê zu bezwingen und machten dabei grosse Verluste. Sie werden Kobanê auch nie bekommen. Den Widerstandsgeist der YPG und YPJ Kämpfer werden sie nirgendwo auf der Erde antreffen können und diese ist die Garantie für den Erfolg, der im Jahr 2015 erreicht werden soll.

Kommen noch aus den Städten wie Raqqa, die unter ihrer Kontrolle stehen Unterstützungen?

Mahmud Berxwedan: Bei jeder Gelegenheit bringen sie aus den Städten Minbic, Dscharabulus, Al-Bab, Raqqa und Tilebyad Verstärkung. Sie erlitten eine Niederlage und wollen mit diesen Kräften die Situation zu ihren Gunsten wenden Wir machen Fortschritte und haben Punkte unter Kontrolle, aber sie leisten weiterhin Widerstand. Trotz dieser Verstärkungen denken wir, dass wir Kobanê in kürzester Zeit befreien werden.

Gestern war auch eine grosse Anzahl von Luftangriffen. Gibt es eine neue Strategie der Koalitionsstreitkräfte wegen den Strassen, die ISIS zur Verstärkung benutzt?

Mahmud Berxwedan: Eine grosse Veränderung der Strategie ist nicht zu ersehen, diese Strassen werden nicht angegriffen,  aber besonders hatte es einige grosse Luftangriffe Richtung Tilebyad und Dscharabulus. Insgesamt gibt es vor und teilweise auf der Rückseite der Frontseite Luftangriffe.

Was sind die Auswirkungen der effektiven Luftangriffe auf Sie?

Mahmud Berxwedan: Die Anzahl der Luftangriffe sind in den letzten Tagen gestiegen. Die Unterstützungen der Koalitionsstreitkräfte bringt die ISIS zur psychischen Niederlage.

 

 

Was denken Sie über die Rückkehr mancher Zivilisten nach Kobanê?

Mahmud Berxwedan: Viele unserer Menschen warten an der Grenze und wollen so schnell wie möglich nach Kobanê zurückkehren. Es gibt auch Leute, die trotz des Krieges Kobanê nicht verliessen. Die Einwohner von Kobanê haben an keinem anderen Ort gelebt, sie kennen dies nicht und wollen deshalb zurückkommen. Einerseits ist dies zur Unterstützung gut aber andererseits schlecht, denn aufgrund der harten Winterbedingungen haben wir Probleme mit dem Heizen. Der Hilfskorridor ist noch nicht geöffnet und auch der Mangel an erfahrenen Ärzten ist ein Thema. Aber die Leute, die bereits nach Kobanê zurückkehrten sagten, auch wenn sie aus Not Erde essen müssten, werden sie Kobanê nicht verlassen.

Abschliessend, was ist Ihre Botschaft für das Jahr 2015 an die Kurden und die Welt?

Mahmud Berxwedan: 2014 war das Jahr des kurdischen Widerstands und die Kurden zeigten der ganzen Welt, dass sie eine Niederlage niemals akzeptieren werden. Dieses Volk, das auf Freiheit fixiert ist, hat nicht nur für sich, sondern für die Völker des Nahen Ostens und für die ganze Welt gegen die ISIS gekämpft. Wir wünschen, dass der Kampf, der im 2014 begonnen hat, dem kurdischen Volk im 2015 die Freiheit bringt. Wir wünschen dem kurdischen Volk und einschliesslich der ganzen Welt ein frohes neues Jahr.

Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von Ayten Şahan https://twitter.com/Qerina_Bedeng

Exclusivinterview mit YPG Oberbefehlshaber Mahmud Berxwedan über die aktuellen Geschehnisse in Kobane

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Mahmud Berxwedan

Mutlu Civiroglu https://twitter.com/mutludc

Telefoninterview vom 19.12.2014 zwischem dem Journalisten Mutlu Civiroglu und   Mahmud Berxwedan (YPG-Kommandant, Kobane), Idris Nahsan (stellvertretender Außenminister des Kantons Kobane) und  Zara Misto (Journalist, Kobane).

Mutlu Civiroglu: Ich möchte Sie ganz herzlich in unserer Sendung begrüßen, Herr Mahmud Berxwedan. Können Sie uns über die Lage in Kobane informieren?

Mahmud Berxwedan: Zuallererst wünschen wir der Welt und Ihren ZuhörerInnen ein frohes Weihnachtsfest. Seit drei Monaten wird über den Kampf in Kobane berichtet. Tatsächlich dauert der Widerstand in Kobane viel länger an: Seit dem 19. Juli 2013 kämpfen die YPG, die YPJ und die Bevölkerung Kobanes gegen Islamisten. Unsere Kampfeinheiten haben wir für die Verteidigung aller Volksgruppen in der Region gegründet. Wie Sie wissen ist Kobane die erste Stadt gewesen, aus der das Assad-Regime vertrieben wurde. Dies kann als ein neuer Anfang und eine neue Hoffnung für die Bevölkerung Kobanes und ganz Rojavas, aber auch für den gesamten Nahen Osten verstanden werden. Seit mehr als anderthalb Jahren wird an allen Fronten Kobanes  gegen Islamisten Widerstand geleistet. Mit dem Wissen, dass die ISIS alle menschlichen Werte negiert, haben wir uns  der ISIS entgegengestellt.

Mutlu Civiroglu: Wie sieht die aktuelle Lage aus?

Mahmud Berxwedan: Am 15. September hat die ISIS die heftigsten Angriffe seit Beginn der Auseinandersetzungen gestartet. Die Angriffe erfolgten von allen Seiten, sie waren nach ihrem Vormarsch in Shingal, Mossul und in syrische Gebieten besser organisiert und besser bewaffnet. Viele gingen davon aus, dass Kobane nur eine Woche Widerstand leisten könnte, es sind nun fast 100 Tage verstrichen und wir sind siegessicher. Wichtig ist die Frage: Warum gelingt dies Kobane, wo doch in Mossul und Shingal der Widerstand nicht einmal einen Tag andauerte. Die YPG/YPJ ist ihrem Land sehr verbunden, viele interviewte KämpferInnen sagten, dass sie bis zu ihrem Tod nicht vom Widerstand ablassen würden. Şehid Eriş, Şehid Zozan, Şehid Emîn, Şehid Kendal, Şehid Arin Mirkan sind Symbole für den Widerstand Kobanes geworden. Seid 100 Tagen kämpfen wir fast ausschließlich mit Kalaschnikows und eigenen Bomben.

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Mutlu Civiroglu: Einige Medien behaupten, die Gefahr sei abgewendet – Kobane sei von der ISIS befreit, andere behaupten, dass die ISIS im Osten ihre Angriffe verstärkt hat. Wie beurteilen Sie diese Informationen?

Mahmud Berxwedan: Dass die Gefahr vorbei sei, stimmt nicht. Es ist ausgeschlossen, dass es der ISIS gelingt, Kobane einzunehmen, dennoch versuchen sie dies mit allen Mitteln. Wir befinden uns im Häuserkampf, um jedes Haus wird gekämpft, es gibt zahlreiche MärtyrerInnen. Bisher hat die ISIS 33 mit Sprengstoff beladene Fahrzeuge in die Luft gesprengt. Täglich gibt es Selbstmordattentate.

Mutlu Civiroglu: Zwei Fragen: Die Koalition und auch die YPG hat nach eigenen Angaben viele Panzer und schwere Waffen der ISIS vernichtet. Wie stark ist die ISIS jetzt waffentechnisch ausgerüstet? Und: Wieviel Prozent von Kobane sind befreit? Einige Quellen sprechen von 70 %, die ISIS von 50 %.

Mahmud Berxwedan: Sie sind immer noch gut ausgerüstet und kämpfen mit schwerem Geschütz gegen uns. Es stimmt, die Koalition und die YPG/YPJ hat sie stark geschwächt, aber die ISIS hat gleichzeitig ihre Strategie geändert, ihr schweres Geschütz verstecken sie besser und holen sie erst hervor, wenn die Koalitionsflugzeuge nicht zu sehen sind. Dennoch sind alle strategisch wichtigen

Orte unter unserer Kontrolle, insbesondere die gesamte Altstadt und das Stadtzentrum. 40 % der neueren Gebiete sind unter ISIS-Kontrolle. Das Problem ist, dass die ISIS problemlos Nachschub an Kämpfern und Waffen aus Rakka, Tall Abjad (Girê Sipî), Jarabulus und anderen Orten beziehen kann. Sie haben nicht die Absicht, die Stadt zu verlassen. Es stimmt, dass die Koalition Luftschläge ausübt, aber wir sind eingeschlossen und können nur mit unseren leichten Waffen kämpfen, es gibt keine Nation, welche behaupten kann, uns ausgerüstet zu haben. Worauf warten sie?

Mutlu Civiroglu: Einige behaupten, dass die YPG Schuld an dieser Situation trägt, weil sie sich diesen Nationen nicht nähern. Dass viele Informationen, die die YPG preisgibt in arabischer Sprache formuliert sind und nicht verstanden werden von der Weltöffentlichkeit.

Mahmud Berxwedan: Gibt es denn Jemanden, der Kobane nicht kennt? Die ganze Welt weiß, wo Kobane liegt. Die ganze Welt weiß, wo die KämpferInnen der YPG/YPJ kämpfen. Wir haben dutzende Male gefordert, dass ein Hilfskorridor errichtet wird. Bis zum jetzigen Zeitpunkt werden nicht einmal die zivilen Menschen, die sich noch in der Stadt befinden, ordentlich versorgt. Ein einziges Mal wurden Hilfspakete und Waffen geliefert.

Mutlu Civiroglu: Sie haben Recht. Ein jeder weiß um Kobane, Kobane hat das Thema der Kurden nach außen getragen. Immerhin war es die USA, die diese Hilfspakete über Kobane abwarf, die Koalition unterstützt mit Luftschlägen. Eine Sympathie ist vorhanden. Amerikanische Kommandanten sprechen hier sehr wohlwollend über ihre KämpferInnen. Meine Frage an Sie wäre, ob die YPG diese Zusammenarbeit nicht noch weiter hätte fördern können?

Mahmud Berxwedan: Wir leugnen diese Unterstützungen nicht. Wir möchten uns auch für diese bedanken. Dennoch reicht sie nicht aus, um die ISIS zu besiegen. Uns mangelt es an Waffen. Wenn wir ausreichend unterstützt werden würden, wäre Kobane in zwei Tagen von der ISIS befreit.

Mutlu Civiroglu: Welchen militärische Forderungen genau müsste nachgekommen werden?

Mahmud Berxwedan: Die YPG, YPJ braucht nur Waffen. Nichts anderes. Uns mangelt es nicht an der Kampfmoral oder eigenen KämpferInnen.

Mutlu Civiroglu: Ich möchte auch Herrn Zara Misto begrüßen, der sich ebenfalls in Kobane befindet. Wie nehmen Sie als Journalist diesen Widerstand wahr?

Zara Misto: Der Kampf der YPG, YPJ gegen den Terror hat das Interesse der ganzen Welt geweckt. Die YPG, YPJ hat bewiesen, dass sie das Volk verteidigen kann. In dieser Region ist sie auf dem Boden der effektivste Gegner der ISIS.

Mutlu Civiroglu: Peter Galbraith und Bernard Cusner haben den Kanton Jazira besucht, Hillary Clinton hat Anerkennung für die Kämpfer und Kämpfertinnen geäußert. Wie können kurdische PolitikerInnen die YPG, YPJ unterstützen?

Zara Misto: Der Widerstand in Kobane, der Wille der YPG, YPJ hat dazu geführt, dass TEV-DEM und ENKS sich zusammengesetzt haben, der Widerstand hat einen wichtigen Beitrag für den Zusammenhalt der Kurden geleistet.

Mutlu Civiroglu: Herr Mahmud Berxwedan, wie beurteilen Sie die Rolle der Türkei?

Mahmud Berxwedan: Unsere Grenze zur Türkei ist sehr lang. Wir haben die Türkei immer als Nachbarn und Freunde verstanden. Dennoch könnte und müsste sie eine größere Rolle im Kampf gegen die ISIS spielen, denn auch sie ist unmittelbar gefährdet.

Mutlu Civiroglu: Herr Idris Nassan, was können Sie uns über die Lage der Zivilisten in Kobane und an der Grenze zur Türkei berichten?

Idris Nassan: In Kobane mangelt es an allem, an Nahrung, Babymilch, Kleidung für den Winter. Denn in Kobane sind die meisten Häuser zerstört, verbrannt, die Menschen sind der Witterung ausgesetzt. Es muss ein Hilfskorridor zwischen Kobane und der Türkei errichtet werden, denn zum einen brauchen die KämpferInnen der YPG, YPJ, FSA und die Peshmerga Waffen, zum anderen muss das Überleben der Zivilisten sichergestellt werden.

Mutlu Civiroglu: Herr Mahmud Berxwedan, wie sieht die Zusammenarbeit der YPG,YPJ mit der FSA und den Peshmerga aus?

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Mahmud Berxwedan: Wir pflegen seit über einem Jahr Kontakte zu Teilen der FSA, in diesem Zeitraum sind über 70 von ihnen allein in Kobane gefallen. Wir alle wollen ein demokratischeres Syrien. Die Peshmerga, die uns hier in Kobane unterstützt, hilft uns insbesondere durch das schwere Waffengeschütz, das sie mitgebracht haben.

Mutlu Civiroglu: Es heißt, die ISIS würde Tunnel nach Kobane bauen?

Mahmud Berxwedan: Auch wir wissen um diese Meldungen. Die ISIS versucht, sich vor den Luftschlägen zu schützen. Aber wir glauben nicht, dass sie Erfolg mit dem Tunnelbau haben.

Mutlu Civiroglu: Es gibt auch viele ausländische KämpferInnen in den Reihen der YPG: Aus den USA, Kanada, Holland, Israel, Österreich?

Mahmud Berxwedan: Wir sehen in der ISIS eine Bedrohung für die gesamte Menschheit, sie muss auch überall von allen bekämpft werden. Daher begrüßen wir alle Menschen, die die ISIS bekämpfen wollen. Wir machen keine Unterschiede zwischen Ethnien, aus vielen arabischen Städten, dem Nahen Osten, Europa, auch aus Amerika und Argentinien, kämpfen Menschen in und für Kobane.

Mutlu Civiroglu: Sie hatten zu Beginn über das Weihnachtsfest gesprochen?

Mahmud Berxwedan: Ja, im Namen des Widerstandes von Kobane und aller KämpferInnen der YPG/YPJ und der Bevölkerung Kobanes wünschen wir ein gesegnetes Fest. Ich möchte auch die Gelegenheit nutzen, um den Kurden aus Bakur (Nordkurdistan, Türkei) zu danken. Der Kampf Kobanes ist ein Kampf aller Kurden.

Vom Kurdischen ins Deutsche übersetzt von @ViyanKurd

Journalist Bali: In Den Kommenden Tagen Wird in Kobane Ein Strategischer Wandel Stattfinden

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Der Journalist Mustafa Bali hat in einem Interview gegenüber dem Analysten der Kurdischen Frage, Mutlu Civiroglu, die aktuelle Lage in Kobane beurteilt.

Bali sagte im Interview, dass die Operationen der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und der Peshmerga-Einheiten gegen den IS in Kobane weitergehen und betonte, dass in den nächsten Tagen Kobane einen strategischen Wandel durchleben wird. Im Folgenden folgt eine freie Übersetzung des Interviews:

Ist es richtig, dass seit der Ankunft der Peshmerga  sich einiges in Kobane geändert hat? Es wurde berichtet, dass einige Dörfer befreit worden sind. Wie ist die aktuelle Lage in Kobane?

Die Gefechte zwischen den YPG und der Terrormiliz IS dauern nach wie vor an. Auf jeden Fall kann ich sagen, dass die Ankunft der Peshmerga und vor allem die schweren Waffen, die sie mitgebracht haben, der IS Angst eingejagt haben. Die YPG und die Peshmerga kämpfen jetzt Seite an Seite gegen den IS. Es gibt Gerüchte über die Befreiung der Dörfer, die vor allem der Deckung der YPG gedient haben sollen. Momentan haben YPG-Kämpfer im Süden der Stadt die Kontrolle inne. Gleichzeitig gibt es im Osten der Stadt heftige Gefechte. Der IS greift dort mit schweren Waffen, unter anderem auch mit Mörsergranaten, an. Dabei zielt er auf Krankenhäuser sowie den Grenzübergang Mürshitpinar. Im Allgemeinen kann man sagen, dass sich nicht sehr viel geändert hat, aber die YPG hat die Führung. Und deswegen bin ich sehr zuversichtlich, dass sich in den kommenden Tagen viel ändern wird.

Sie sagten, dass der IS mit Mörsergranaten angreift. Wurden diese nicht von der Koalition als auch von den YPG zerstört?

Die Unterstützung der Anti-IS Koalition dauert noch an, jedoch gibt es im Osten der Stadt noch einige Minenwerfer. Diese lassen sich leider gut verstecken. Nichtsdestotrotz hat die Koalition mit den YPG zusammen sehr viele Fahrzeuge der IS zerstören können.

Sie haben von einem strategischen Wandel gesprochen. Können Sie dies näher erläutern?

Wir verfolgen die Ereignisse und können entsprechend Aussagen zur Entwicklung machen. Was uns auffällt, ist, dass der IS seit der Ankunft der Peshmerga hauptsächlich in der Nacht angreift. Am Tag hat er fast keine Möglichkeit unsere Einheiten anzugreifen. Die schweren Waffen, die die Peshmerga mitgebracht haben, schrecken den uns technisch überlegenen IS zurück. Was die Motivation und die Taktik angeht, war und ist die YPG besser als der IS. Diese Faktoren beeinflussen die Angriffe der IS und deswegen erwarten wir einen strategischen Wandel.

Erhält der IS immer noch Unterstützung?

Ja, die Terroristen bekommen nach wie vor Unterstützung. Gemäß unseren neuen Kenntnissen sollen mit Mörsern beladene Fahrzeuge in Richtung Kobane unterwegs sein. Zudem sollen die IS- Terroristen in einem belagerten Dorf nahe der türkischen Grenze die Fahrzeuge der Dorfbewohner beschlagnahmt haben. Auch sollen sie einige Fahrzeuge zerstört haben. Des Weiteren erhält der IS aus ar-Raqqa, Dscharabulus und Tall Abyad (kurdisch Girê Sipî) Verstärkung.

Es wurde auch berichtet, dass etwa 50 Kämpfer der FSA mit den YPG zusammen kämpfen wollten und sich jedoch wieder zurückgezogen haben. Stimmt das?

Ja, es gab solche Gerüchte. Die Ankunft der Kämpfer der Freien Syrischen Armee (FSA) war ein Wunsch der Türkei. Diese dachte, dass die FSA-Kämpfer in Kobane nicht willkommen geheißen werden und die Peshmerga von ihrem Kampf abhalten könnten. Aber die YPG hat hier eine vernünftige Entscheidung getroffen und die Kämpfer der FSA aufgenommen. An welcher Front diese jedoch kämpfen, kann ich Ihnen nicht sagen. Im fortwährenden Krieg während drei Jahren haben sowohl das Syrische Regime als auch der IS sowie die Syrische Nationalkoalition dieselbe Haltung gegenüber den Kurden eingenommen. Das bestätigt wiederum, dass das Verhalten der Nationalkoalition schlechter ist als das des syrischen Regimes, denn die Nationalkoalition wird von der Türkei kontrolliert. Folglich haben die Aussagen von Rifad Esed uns nicht überrascht. Immer noch denken sie, die Kurden sind hier in Rojava nur Gäste.

Denken Sie auch, dass die Beziehungen zwischen den YPG und den USA einige Gegner stören?

Die Beziehungen der YPG mit den USA als auch die Gespräche zwischen der PYD (Partei der Demokratischen Einheit) und denUSA werden sehr sorgfältig verfolgt und kommen bei unseren Feinden nicht gut an. Der immer in der Finsternis gelassene kleine Bruder – Kurde – ist jetzt stark und findet in Europa als auch in den USA Gehör. Weder die Türkei noch die Syrische Opposition begrüßt das. Sie haben selber mitbekommen, wie Herr Erdogan die Tatsache, dass er ein Präsident ist, vergisst und bei jeder Gelegenheit die YPG und PYD angreift.

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Übersetzt aus dem Kurdischen ins Deutsche von Fatos Koyuncuer